wir laden sie ein!

Der gesellschaftliche Einfluss des Rechtspopulismus wirkt sich auch auf die Museen aus: auf ihr Publikum und Personal, auf die Kulturpolitik und die öffentliche Diskussion. Die Frage, welche Konsequenzen sich daraus für ihre Institutionen, ihr Programm und ihre Arbeitsweisen ergeben, rührt am Selbstverständnis der Museen. So sind sie einmal mehr aufgefordert, sich mit ihrer Rolle als öffentliche Einrichtungen einer demokratischen Gesellschaft, ihrem Selbstverständnis und dem Beitrag, den sie zum gesellschaftlichen Miteinander leisten, auseinanderzusetzen. Auch die Kulturpolitik ist gefragt, Position zu beziehen und entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Wir laden Sie herzlich ein, sich im Rahmen unserer digitalen Jahrestagung vom 31. Mai bis zum 1. Juni 2021 zu informieren, auszutauschen und zu vernetzen. Ziel ist es, die Handlungssicherheit der Museumsmachenden zu erhöhen.

LMB Jahrestagung "Museen in Zeiten von Rechtspopulismus" in Zusammenarbeit mit der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. und fachlucher Unterstützung der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin

Unsere Partner:innen

Kulturpolitische Gesellschaft e.V.

Die Kulturpolitische Gesellschaft e.V.  ist ein bundesweiter Think- and Do-Tank für Kulturpolitik und die Transformation des Kulturbereichs. Zum Thema „Krise der Demokratie“ war die KuPoGe 2020 Mitveranstalterin des Loccumer Kolloquiums „Kulturpolitik und Rechtspopulismus“. Darauf basierend erschienen die Kulturpolitischen Mitteilungen zu diesem Thema. Nicht zuletzt widmete sich ein Modul der Veranstaltungsreihe „noFuture? Die Kunst des Aufbruchs“ dem Thema „Kunstfreiheit zwischen Autonomie und Verantwortung“. Informationen zu weiteren Arbeitsschwerpunkten: www.kupoge.de

Kulturpolitische Mitteilungen 169 "Kulturpolitik und Rechtspopulismus"

Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR)

Cover der Broschüre "Nur Schnee von gestern? Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts in Gedenkstätten und Museen" der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (mbr)

Im Laufe ihrer 20-jährigen Beratungspraxis hat die MBR ganz unterschiedliche Menschen und Organisationen, Vereine, Gruppen etc. in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Rassismus und Antisemitismus unterstützt. 2020 hat die MBR die Broschüre „Nur Schnee von gestern? Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts in Gedenkstätten und Museen“ veröffentlicht. Die Handreichung gibt einen Überblick zu zentralen geschichtspolitischen Narrativen des Rechtsextremismus/Rechtspopulismus und zu Strategien des Kulturkampfes von rechts sowie praktische Tipps.

programm

Montag, 31. Mai 2021

18.30 Uhr

Kennenlernen, Austauschen, Vernetzen
Speeddating der Teilnehmenden

Dienstag, 1. Juni 2021

Von 9.30 bis 12.00 Uhr findet die unsere Mitgliederversammlung statt, zu der alle Mitarbeitenden unserer Mitgliedsinstitutionen herzlich eingeladen sind.

13.00 Uhr

Begrüßungen

Thomas Köhler, Berlinische Galerie & Julia Wallner, Georg Kolbe Museum, beide Landesverband der Museen zu Berlin e.V.

Barbara Neundlinger, Kulturpolitische Gesellschaft e.V.

13.15 Uhr

Einführung

Germanen – ein heißes Eisen? Zwischen wissenschaftlichem Diskurs, öffentlichem Interesse und populistischer Vereinnahmung“

Matthias Wemhoff, Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin (SPK), Landesverband der Museen zu Berlin e.V.

13.30 Uhr

Impulse

„Grenzen ziehen. Was eine Museumsdefinition in Zeiten von Rechtspopulismus leisten kann“

Gülşah Stapel, Stiftung Berliner Mauer & Joachim Baur, Die Exponauten. Ausstellungen et cetera

„Narrative und Strategie des Kulturkampfes von Rechts. Herausforderungen für Museen und Gedenkstätten“

Bianca Klose, Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR)

 
„Zwischen Gestaltungsauftrag und unrechtmäßiger Einflussnahme. Kulturpolitische Praxis in Zeiten von Rechtspopulismus“
 
Matthias Beitl, Volkskundemuseum Wien und Museumsverband Österreich &
Holger Bergmann, Fonds Darstellende Künste e.V., Die Vielen e.V., Kulturpolitische Gesellschaft e.V. &

Paulina Fröhlich, Das Progressive Zentrum e.V. &
Çağla İlk, Kunsthalle Baden-Baden

15.00 Uhr

Pause

15.15 Uhr

Arbeitsgruppen zu thematischen Schwerpunkten

17.15 Uhr

Fazit

18.00 Uhr

Ende der Veranstaltung

Prasanna Ooomen, Foto: © Maj Rutten

Unsere Moderatorin

Wir freuen uns sehr, dass Prasanna Oommen das Hauptprogramm am 1. Juni 2021 von 13.00 bis 18.00 Uhr moderieren wird!

Prasanna Oommen arbeitet seit 20 Jahren als Moderatorin (deutsch/englisch), Öffentlichkeitsarbeiterin und Referentin in den Bereichen Kultur, Bildung, Gesellschaft und Medien. Sie war Pressesprecherin verschiedenster Institutionen und Unternehmen und ist aktives Mitglied und Mentorin bei den Neuen deutschen Medienmacher*innen.

Ihre Themenschwerpunkte sind: Inter-/Transkulturelle Öffnung in der staatlichen und freien Kulturlandschaft und EZ (Entwicklung & Zusammenarbeit) auf Landes- und Bundesebene, Bildungsgerechtigkeit und Digitalisierung, Kulturelle Bildung & Diversität, Stadtentwicklung und diversitätssensible Kommunikation.

Prasanna Oommen hat Germanistik, Anglistik und Politik studiert und nach dem Studium zunächst als freie Journalistin und Synchronsprecherin im Hörfunk und in der Filmwirtschaft gearbeitet. Sie ist ausgebildete Tänzerin und war mehrere Jahre als Tanzvermittlerin in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig.

Arbeitsgruppen

Mitte Mai haben alle Teilnehmenden Möglichkeit, ihre Arbeitsgruppe auszuwählen.

Als Impulsgebende wirken u.a. mit: Attila Bihari, Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz;  Sarah Bornhorst und Cornelia Thiele, Stiftung Berliner Mauer; Kristian Buchna, Hambacher Schloss; Diana Dressel, Jüdisches Museum Berlin; Urte Evert, Zitadelle Spandau; Christopher Förch, Dorothea Parak, Leonard Schmieding, Abteilung Bildung und Vermittlung, Staatliche Museen zu Berlin (SPK); Hannah Grimmer, Tadel verpflichtet! e.V.; Johanne Hoppe, Filmuseum Potsdam; Paul Jürgensen, Das Progressive Zentrum e.V.; Benjamin Kryl, Museum der Stadt Pachim und Museumsnetzwerk zum Thema Rechtspopulismus; Jan Lormis, Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora; Veronika Nahm, Anne-Frank-Zentrum; Fernande Raine, Got History?; Oliver Saal, Amadeu Antonio Stiftung; Karoline Zinßer, Die Vielen e.V. und viele mehr.

Themenspektrum der Arbeitsgruppen

Leitbilder

In Leitbildern definieren Museen ihr Selbstverständnis, ihre Werte, Ziele und Aufgaben. Sie sind die gemeinsame Basis für die Ausrichtung der Arbeit des Museums und dienen als wichtige Entscheidungs- und Argumentationsgrundlage nach Innen und Außen. Wir diskutieren vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Einflusses des Rechtspopulismus, die Funktionen, Inhalte, Erarbeitungsprozesse von und den Umgang mit Leitbildern.

 

Museumsteams

Rechtspopulismus ist Teil unserer Gesellschaft und so – potentiell – auch unserer Museumsteams.  In der Regel werden Haltungen zu politischen Fragen der Mitarbeiter:innen als Privatsache betrachtet. Wir reflektieren, wodurch diese relevant für die Arbeit des Museums und die Personalpolitik werden. Durch welche Strukturen und Strategien sichern wir einen diskriminierungsfreien Umgang des Museumspersonals untereinander und mit dem Publikum? Wie stärken und schützen wir betroffene Mitarbeitende?

Publikum

Auch das Museumspublikum verändert sich durch den gesellschaftlichen Einfluss des Rechtspopulismus. Museen sind mit Einzel- und Gruppenbesuchenden konfrontiert, die Tabus brechen und die Grenzen des Sagbaren verschieben,  gezielt stören und provozieren. Wir diskutieren Haltungsfragen und Handlungsmöglichkeiten von Museen: Wie kommen wir im Team zu einer gemeinsamen Position? Welche Kompetenzen sind erforderlich? Wie entwickeln wir sinnvolle Handlungsketten für konkrete Situationen, um Objekte, Besuchende und Mitarbeitende zu schützten?

Bildung

Rechtspopulismus trägt zur Spaltung der Gesellschaft bei und unterstützt antidemokratische Tendenzen. Wir diskutieren Auftrag, Potential und Möglichkeiten von Museen durch ihre Bildungsprogramme und Ausstellungen demokratisierend zu wirken. Wie nutzen wir dieses Potential? Wie gestalten wir Erarbeitungsprozesse? Wen beteiligen wir? Braucht es neue Formate? Sollten sich Museen stärker auch als Einrichtungen politischer Bildung verstehen? Dazu gehört auch der selbstkritische Blick auf mögliche Ausschlussmechanismen.

Soziale Medien

Immer mehr Museen nutzen die sozialen Medien um auf ein breiteres Publikum zuzugehen. Wir diskutieren, wie Museen ihre Aktivitäten so gestalten, dass sie aktiv einen Beitrag zu einem respektvollen und friedlichen Miteinander leisten. In diesem Zusammenhang soll auch die Frage nach einem zielgerichteter Umgang mit Hate Speech besprochen sowie Haltungsfragen, präventive Maßnahmen und Handlungsmöglichkeiten in konkreten Situationen ausgelotet werden.

Zeitzeug:innen

Für viele Gedenkstätten und Museen ist die Arbeit mit Zeitzeug:innen von großer Bedeutung. Doch was tun, wenn Zeitzeug:innen sich in der Öffentlichkeit rechtspopulistisch äußern oder im Umfeld von rechtsextremen Parteien auftreten? Können wir ihre Biografien und Schilderungen in unseren Ausstellungen, in digitalen Vermittlungsformaten oder auf Veranstaltungen präsentieren? Setzen wir wir sie weiterhin in der Vermittlungsarbeit, z.B. im Rahmen eines Gesprächs mit einer Schulklasse, ein?

Sammeln & Dokumentieren

Die Sammlungen sind die Basis der Museumsarbeit. In welchen Hinsichten ist der gesellschaftliche Einfluss des Rechtspopulismus relevant für die Bewahrung, Dokumentation, Erschließung, Erforschung und Erweiterung der Sammlungen? Historisch gewachsen bilden sie oft nicht die diverse, plurale Gesellschaft ab. Beispielsweise in Sachen Provenienzforschung und dem Umgang mit Objekten aus kolonialen Kontexten sind viele Fragen ungeklärt. Wie sorgen Museen dafür, dass sie keinen Nährboden für Rechtspopulismus bieten?

 

Kulturpolitik

Politiker:innen haben verschiedene Möglichkeiten, Einfluss auf Kultureinrichtungen auszuüben – beispielsweise durch parlamentarische Anfragen oder im Rahmen von Funktionen in Aufsichtsräten. Wir diskutieren, ob, inwieweit und in welcher Form solche Einflussnahmen in einer demokratischen Gesellschaft legitim sind – und wann nicht. Welche strukturellen Maßnahmen können unrechtmäßige Einflussnahme verhindern? Welche Möglichkeiten haben Museen, sich gegen diese zu wehren? Wie kann ein konstruktiver Dialog mit der Kulturpolitik aussehen?

Öffentliche Positionierung und Vernetzung

In den letzten Jahren haben sich verschiedene Akteure der Kultur, darunter auch Gedenkstätten & Museen, öffentlich gegenüber dem Rechtspopulismus positioniert. Initiativen wie z.B. „Die Vielen“ gründeten sich. Jüngst hat sich auf einer Tagung ein Netzwerk vor allem kleinerer Museen zusammengefunden. Wir diskutieren Für- und Gegenargumente, rechtliche Grundlagen, Wirkungen und Konsequenzen der öffentlichen Positionierung. Thema werden außerdem Potentiale und Formen der Vernetzung und gegenseitigen Unterstützung sein.

Wir danken...

…für die Unterstützung bei der Konzeption der Tagung: Daniela Bystron, Brücke-Museum; Stephanie Bohra, Stiftung Topographie des Terrors; Uta Bretschneider, Zeitgeschichtliches Forum des Haus der Geschichtes der Bundesrepublik Deutschland; Claudia Ehgartner-Nadrchal, Dorothea Parak, Leonard Schmieding, Abteilung Bildung und Vermittlung, Staatliche Museen zu Berlin (SPK); Daniela Geppert, Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit, Stiftung Topographie des Terrors; Henning Mohr und Barbara Neundlinger, Kulturpolitische Gesellschaft e.V.; Veronika Nahm, Anne-Frank-Zentrum; Judith Schühle, Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin (SPK); Gülşah Stapel, Stiftung Berliner Mauer; Bianca Klose und Michael Sulies, Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) u.v.m.