LMB-Jahrestagung am 7. November 2011
"Neue Medien im Museum"

Audiovisuelle, digitale und interaktive Medien halten Einzug in die Museen. Sie dienen als neue Vermittler musealer Inhalte und sind inzwischen auch selbst vielerorts Teil von Sammlungen geworden. Beide Aspekte und die mit ihnen verbundenen Chancen und Schwierigkeiten waren Thema der diesjährigen Jahrestagung des Landesverbandes der Museen zu Berlin (LMB) in der Deutschen Kinemathek - Museum für Film und Fernsehen.

Schon jetzt in vielen Häusern sind Multimedia-Guides verbreitet, die den klassischen Audio-Guide um Texte, Bilder und Filme erweitern und so den interaktiven Zugang zu Ausstellunginhalten ermöglichen.Digitale Medien bieten aber auch darüber hinaus gehenden Möglichkeiten, wie Christiane Birkert vom Jüdischen Museum Berlin präsentierte: In der Ausstellung »Koscher & Co« (MJ 4/2009) bekamen die Besucher am Eingang einen Löffel aus Kunststoff mit einem computerlesbaren Code, mit dem man in der Ausstellung koschere Rezepte sammeln und vom heimischen Computer aus abrufen konnte. Der Erfolg war groß: Etwa 70% der Benutzer loggten sich zu Hause ein, um die persönliche Zusammenstellung anzuschane

Die »Max Planck Science Gallery«zeigt, wie weitreichend die Möglichkeiten multimedialer Präsentationsformen das Prinzip >Ausstellung< beeinflussen können. Dr. Peter M. Steiner stellte vor, wie der seit September 2011 in Berlin beheimatete Ausstellungsraum der Max-Planck-Gesellschaft neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus allen Forschungsbereichen vermittelt und dabei vollständig ohne Exponate auskommt. Alle Inhalte werden auf interaktiven Touchscreens und Multimediastationen vermittelt. Dies hat den Vorteil, dass verschiedene Ausstellungen quasi per Knopfdruck aktiviert werden können und alle bisherigen Ausstellungen dauerhaft zur Verfügung stehen.

Wenn audiovisuelle Medien, wie z.B. Filme, selbst Gegenstand von Sammlungen werden, ergeben sich für die Museen eine ganze Reihe rechtlicher Schwierigkeiten, wie Prof. Dr. Paul Klimpel, Direktor der Deutschen Kinemathek, berichtete. Da aufgrund der jahrzehntelangen Schutzfristen noch heute nahezu alle Filme urheberrechtlich geschützt sind, müssen für ihre Präsentation Genehmigungen der Rechteinhaber eingeholt werden. Gerade bei älteren Filmen mit verworrenen Rechtelagen und vielen Urhebern ist dies oft kaum realisierbar.

Ein weiteres Problem betrifft den Kopierschutz bei neueren Trägermedien wie DVDs. Um ihrer Aufgabe des Bewahrens nachzukommen, müssen die Archive das Filmmaterial unabhängig vom jeweiligen Datenträger verwahren, doch das dafür notwendige Umgehen des Kopierschutzes ist den Archiven nicht erlaubt. Gesetze gegen Produktpiraterie behindern hier oftmals die Arbeit der Sammlungen.

Vor denselben rechtlichen und erheblich komplexeren konservatorischen Problemen steht das 2011 neu eröffnete Computerspielemuseum. Dr. Winfried Bergmeyer, wissenschaftlicher Mitarbeiter, erläuterte die Schwierigkeiten des Archivierens von Neuen Medien. Zum einen gilt es, die oft jahrzehntealte Hardware, wie Spielautomaten und Konsolen, zu erhalten. Zum anderen muss aber auch die Software der Spiele so archiviert werden, dass der originale Code erhalten, die Anwendung aber auch ohne die originale Hardwareumgebung nutzbar bleibt. Forschungsprojekte zur digitalen Langzeiterhaltung arbeiten derzeit mit Emulator-Programmen, die alte Hardware-Umgebungen auf heutigen Rechnern virtuell simulieren und damit den Zugriff auf alte Programme in deren Original-Code ermöglichen.

Neue Medien, ob als Ausstellungsobjekte oder als Vermittler, werden für viele Museen in den nächsten Jahren ein wichtiges Thema werden. Die vielfältigen Möglichkeiten, aber auch die rechtlichen Hürden sind dabei die großen Herausforderungen der Ausstellungsmacher von Morgen.

Text: Tobias Frietzsche (wissenschaftlicher Volontär bei der Kulturprojekte Berlin GmbH)

Dieser Text erschien in leicht gekürzter Form im MuseumsJournal, Ausgabe 1/2012.