Protokoll zur Fachgruppensitzung am 08.12.2011

Thema: Fremdführungen in Berliner Museen

Erstellt: Mo, 12. Dezember 2011


Anstoß der Diskussion gab der Artikel aus der taz. Im Mai 2011 („Erklärer müssen draußen bleiben"): 2 freiberufliche Kunsthistorikern war als externen Gruppenführern der Zugang für eine Führung im Martin Gropius Bau verwehrt worden. Sie fordern nun den freien Zugang für Vermittlungsarbeit.

 Die Fachgruppe diskutiert vornehmlich über zwei Punkte:

1. Qualität der Führungs- und Vermittlungsarbeit von
    a. eigenen Mitarbeitern
    b. Dienstleistern für Museen
    c. Fremdanbieter z.B. von Tourismusgruppen

2. Organisation/Steuerungsprozess
    a. bei Tourismus affinen Häusern (organisatorischer Prozess)
    b. Abstimmung mit hausinternen Angeboten

Positionen der einzelnen Häuser:

DHM
(Stefan Bresky)

  • Offenes Haus mit Vermittlungsauftrag
  • Keine Lizenzgebühr, einzige Bedingung ist Anmeldung im Vorfeld (Besucherordnung)
  • Besuchernachfragen führen nicht zu organisatorischen Engpässen

Stiftung Stadtmuseum
(Fr. Kuhn), Fr. Schröder

  • Nachfrage sehr unterschiedlich:
  • Märkisches Museum v.a. von Schulen besucht
  • Nicolaikirche eher touristisch
  • Fremdführungen nach Anmeldung und Kauf von Gruppentickets erlaubt
  • Bei Spontanbesuchern möglichst flexible Handhabe

Willy Brand Stiftung
Stud. Hilfskraft als Vertretung für Julia Hornig

  • Für die Eröffnung der Ausstellung muss noch eine Regelung getroffen werden, da nur ein großer Raum existiert-> erfordert Organisation, um Überfüllung zu vermeiden
  • Es ist mit einem großen Besucherandrang zu rechnen. wegen freiem Eintritt

Museum für Kommunikation
Jutta Scherm

  • Freier Zugang bei Fremdführungen
  • Momentan kein großes Problem, da das Museum weniger von touristischen Gruppen besucht wird

SMB/Besucherdienste
Fr. Heinen

  • Vor 5 Jahren AG bei den SMB
  • Seit 2006: 25€/h / Gruppe im Museum als Lizenz (entspricht der Differenz für Nichtbuchung der eigenen Führung, dient als zusätzliche Einnahmequelle)
  • Keine Qualitätsprüfung der Fremdführungen
  • 100 aktive ehemalige Stadtführer, die eine Prüfung abgelegt haben und von Lizenz befreit sind (Verband Berliner Stadtführer)
  • Neues Buchungssystem steuert den Einlass für Schule/Stadtführungen/Tourismusgruppen, dennoch werden unangemeldete Besuchergruppe wenn möglich nicht abgewiesen
  • Weitere Gruppen: FU-Gasthörer (Eintritt frei, aber 25€ Lizenzgebühr)
  • VHS-Gruppen (Kooperation -> Eintritt frei zzgl. 1-2€ p.P.)

Kulturprojekte
Anna Borofka

  • Regelung individuell für jedes betreute Haus
  • Interesse für Fremdführungen durchaus vorhanden
  • Keine Lizenzgebühr
  • Möglichst Absprache mit Qualitätsprüfung und organisatorische Absicherung
  • Anmeldung über Infoline

Museum für Naturkunde
Hr. Domig

  • Besuchergruppen v.a. von Schulen o. Universitäten, wenig touristisch organisierte Gruppen
  • Fremdführung erlaubt
  • Keine Lizenzgebühr
  • Problem: Qualitätssicherung, aber meistens ohnehin geschulte Lehrer/Dozenten/Studenten

Anne Frank Zentrum
Janine Quandt

  • Weniger das Problem, zu viele Touristen zu haben
  • Dennoch begrenzte räumliche Kapazitäten
  • Qualitätsanspruch: Jugendliche führen Jugendliche

Deutsches Technikmuseum
Renate Förster

  • Gruppen auch ohne Anmeldung (außer Science Center) und ohne Lizenzgebühr

 

Jüdisches Museum Berlin

Doreen Tesche

 

  • Touristische Gruppen und Schulklassen
  • Fremdführung (mit, aber auch ohne Anmeldung) bis 9 Pers. Normaler Eintritt (5€), ab 10 Pers. 4€, Guide immer frei
  • Keine Lizenzgebühr
  • Qualität: wurde intensiv diskutiert, wird aber nicht mehr kontrolliert

Deutsche Kinemathek
Volontärin

  • Thema erst kürzlich aufgegriffen und diskutiert durch neuen Anbieter für Aufsichten, der darauf hingewiesen hat, dass Engpässe entstehen (Z.B. Kassen-/Garderobenbereich)
  • Qualitätssicherung wird am Rande durch „Besucherbetreuer" gesteuert, die bei Fehlinformationen ggfls. eingreifen und korrigieren können
  • Keine Lizenzgebühr

SPK/Schlösser und Gärten
Bärbel Stranke

  • 22 Häuser, 2 Mio. Besucher/Jahr
  • Viele unangemeldete Führungen, allerdings nicht in Häusern, die prinzipiell nur angemeldete Gruppen durchführen)
  • Besucherlenkung
  • „Zertifikate" statt Lizenzen, die über die Schlösser für 75€(/3 J.) zu erwerben sind
  • Nichtlizenziert Führungen sind untersagt

Holocaust Denkmal
Anne Borzin

  • Im Hauptraum der Ausstellung sind Führungen generell untersagt (Ort der Stille), aber hauseigene Besucherbetreuer stehen zur Verfügung
  • Im Außenbereich kann kein Einfluss auf Fremdführungen genommen werden, aber es werden 2-3 Mal im Jahr Einführungen für Tourismusagenturen angeboten

Bauhaus Archiv
Bärbel Mees

  • Gruppensteuerung: Schulklassen kein Eintritt, alle anderen Besucher 1€ p. P.
  • Kapazitätsschwierigkeiten wegen Größe des Hauses, weswegen nur max. 2 Führungen gleichzeitig angeboten werden können
  • Zusammenarbeit mit VHS, TU, FU
  • Lehrerführungen nach Anmeldung erlaubt
  • Zwischenzeitlich Schwierigkeiten mit Qualität von externen Führungen

Berlinische Galerie
Ulrike Andres

  • Keine Lizenzgebühr für Fremdführungen
  • Bisher keine Anmeldung verbindlich erforderlich
  • Besucherstruktur: vor allem Individualbesucher aus dem In- und Ausland (bis zu 70 %) sowie Berlin (durchschnittlich 30 %), d.h. touristische Reisegruppen eher unterrepräsentiert, das heißt eine ganz andere Situation als bei den SMB

 

Protokoll: Claire Krahulec, Praktikantin Berlinische Galerie, Abt. Marketing und Kommunikation

 

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